Steigende Benzinpreise und tägliche Staus zeigen, dass Verkehrspolitik nicht nur das Auto im Blick haben darf. Die Sozialistische Bodenseeinternationale (SBI), die Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten rund um den Bodensee, diskutierte daher, wie die Bodensee-Region einen integrierten S-Bahn-Verkehr erreichen kann.
Schieneninfrastruktur am Nordufer des Sees ausbauen
„Ein besserer Nahverkehr am Bodensee, braucht bessere Schienenwege,“ sagte der Landtagsabgerordnete Hans-Peter Storz, der auch Vizepräsident der SBI ist. Doch die Planung und erst Recht der Ausbau der Infrastruktur weise noch große Lücken auf. Während die Elektrifizierung der Südbahn von Ulm nach Friedrichshafen immer näher rücke, drohe die Bodenseegürtelbahn zwischen Radolfzell und Friedrichshafen noch auf Jahre hinaus ein Dieselloch zu bleiben. Im Westen gebe es dagegen Planungs- und Finanzierungsvereinbarungen, damit ab 2016 moderne elektrische Triebwagen von Singen in Richtung Basel fahren können.
Grün-rot schiebt Südbahn an
Das Engagement der grün-roten Landesregierung habe verhindert, dass der Ausbau der Südbahn von Bahn und Bund auf die lange Bank geschoben wurden, sondern nach wie vor als vordringliche Baumaßnahme eingestuft werde, berichtet Storz. Baden-Württemberg finanziere den Ausbau zur Hälfte mit. Für zwei der fünf Bauabschnitte habe das zuständige Regierungspräsidium Tübingen bereits das Genehmigungsverfahren für die konkreten Baupläne eingeleitet, so dass das Ende der Dieselloks im Jahr 2018 zu erwarten sei.
Interessengemeinschaft Bodenseegürtelbahn treibt Planung voran
Wie schnell es am Bodensee weitergehen kann, ist noch offen. Daher begrüßt Storz die Gründung der Interessensgemeinschaft Bodenseegürtelbahn, in der die Landkreise und Bahnhofsgemeinden entlang der Strecke die Planungen vorantreiben. Das Land müsse diese Bemühungen wie bei der Südbahn durch eigene Zuschüsse unterstützen, forderte er. Storz wünscht sich einen Ausbaustandard wie am westlichen Bodenseeufer, wo der Halbstundentakt des Seehas viele zusätzliche Fahrgäste in die modernen Züge lockte.
Stefan Stern, der Lindauer Sprecher der überparteilichen Bürger-Plattform für die Bodensee-S-Bahn, wies bei der Konferenz auf den "erfreulichen Standard" im S-Bahn-Verkehr am östlichen und am südlichen Seeufer hin. "In Vorarlberg gibt es schon einen Viertelstunden-Takt zu den Spitzenzeiten im Bahn-Nahverkehr. In der Ostschweiz wurde eine Investition von 50 Millionen Euro in einem Volksentscheid beschlossen, um bis 2013 einen Halb-Stundentakt zwischen St._Margrethen und Zürich auf das Gleis zu bringen.
Olga Pircher, die amtierende SBI-Präsidentin aus Vorarlberg sagte „Als Zuwandererregion brauchen wir die Bahn." und wünscht sich ein größeres Interesse von Seiten der Verantwortlichen im Vorstand der Deutschen Bahn AG an Verbesserungen im grenzüberschreitenden Bahnverkehr.
Bildnachweis: Initiative Bodensee-S-Bahn (Startseite), Winfried Kropp (Artikelseite)